
Martin Kaymer (Getty Images)
"Erstmals in meinem Leben habe ich so richtig hart gearbeitet", sagt Marcel Siem an diesem Donnerstagmittag im Emirates Golf Club in Dubai - und um aufkommenden Missverständnissen gleich entgegenzuwirken: "Natürlich habe ich immer viel gearbeitet." Aber in diesem Winter sei es eben doch noch etwas mehr zur Sache gegangen. Und das umfangreiche Training im warmen Florida hat ihm in jedem Fall gut getan. "So lange wie nie", sei ihm die Pause vorgekommen. Durch die Umstellung des Tourkalenders und den Verzicht auf die Südafrika-Turniere hatte Siem rund zwei Monate frei.
Im Team mit Physio Rolf Klöttschen und Trainer Günter Kessler hat er ein wenig am Schwung gefeilt, immer in enger Abstimmung. Siem arbeitet seit vergangenem Sommer mit Klöttschen zusammen, der auch Martin Kaymer betreut. Die ersten Erfolge lassen sich nun begutachten. Zum großen golferischen Talent des 31-Jährigen paart sich jetzt ein Mehr an Fokus und Fortbildungswille. Auch in Dubai war Trainer Kessler in dieser Woche wieder dabei, Klöttschen trimmt Siem schon seit Katar, wie dieser
Golf.de erzählt.
Siem schaffte den seltenen Einzug ins Wochenende von Abu Dhabi (als einziger Deutscher) und überzeugte auch in Katar als Zwölfter. Nun liegt er im dritten - wiederum stark besetzten - Turnier des Desert Swing nach Tag eins auf Rang zwei. Acht Birdies sammelte er bis zur 18, war solide vom Tee, brachte die Eisen gut auf Richtung, lochte ein paar schöne Putts und befand sich früh am Morgen schnell auf einer Welle, die ihn in der Folge über die Auftaktrunde der Dubai Desert Classic tragen sollte. "Es hat riesig viel Spaß gemacht."
Bis am Schlussloch die Welle im Wasser vor dem Grün endete. "Ich habe den Ball eigentlich gut getroffen", sagte Siem über den zweiten Schlag am Par 5 mit dem Holz. "Es muss irgendwie Schlamm am Ball gewesen sein." An der 13 sei ihm das auch passiert, woraufhin er zu seinem Caddie gesagt habe, dass er auf den weichen Fairways im Zweifel nun ablegen wolle. Das verpasste er an der 18, auch weil er den Matsch nicht sah. So geht er mit einer dennoch sehr starken 65 (-7) neben dem Schotten Scott Jamieson als geteilter Zweiter in den Freitag. Nur der Spanier Rafael Cabrera-Bello ist nach Runde eins des mit 2,5 Millionen US-Dollar dotierten Turniers besser platziert (-9).
Siem will nun weiter den bedachten Weg wählen. "Es muss nicht immer der Driver sein", sagt der junge Vater, der sich mit dem taktischen Spiel in diesen Tagen anfreundet. "Man muss, auch wenn sich die Chance bietet, zu attackieren, es auch manchmal sein lassen." So freut er sich sehr über die 17 an diesem Tag. Erstmals spielte er die Bahn an diesem Tag nicht mit dem Driver vom Tee. Er lochte dennoch zum Birdie.
Kaymer glänzt mit sensationellem FinishDieses verpasste Martin Kaymer an der 17 - dafür legte er am Schlussloch noch einen drauf. Nach einem tollen zweiten Schlag mit dem Holz auf dem Par 5, schob er den Ball aus zwei Metern zum Eagle ins Loch. Seine 66 (-6) bringt ihn auf den geteilten vierten Rang, direkt hinter Siem.
Nur schwer war Kaymer ins Turnier gekommen, lag zur Hälfte noch bei even Par, legte dann aber auf der zweiten Neun richtig los. Auch er war solide vom Tee, blieb mit den Eisen auf Kurs und beeindruckte bei seinen fünf Birdies und dem Eagle ab Loch zehn vor allem mit sehr sicheren Putts. Vier unter Par auf den letzten vier Löchern, sechs unter auf der hinteren Neun, Kaymer zeigte eine ähnlich starke zweite Hälfte wie im November bei seinem WGC-Sieg in Shanghai.
"Das war sehr gutes Golf", sagte Kaymer nach der Runde. Er habe sich viele Chancen herausgearbeitet mit starken Eisenschlägen. Die Möglichkeiten seien jedoch ungenutzt verstrichen, da er beim Putten gerne etwas rechts geblieben sei. "Darauf habe ich zum Schluss geachtet." Die Folge war der beeindruckende Endspurt. Wie seine Kollegen ist auch er vom Kurs in Dubai begeistert - nicht nur von den hochgelobten Grüns, die für die Spieler am Vormittag sogar noch etwas besser waren. "Das ganze Setup des Kurses gefällt mir, besonders vom Abschlag, auch wenn ich manchmal Draw spielen muss. Es ist ein sehr fairer Golfkurs: Wenn du gut spielst, machst du auch viele Birdies."
Doch nicht nur Kaymer drehte im einfacheren zweiten Teil des Majlis-Kurses richtig auf: Rory McIlroy, sechsmal in der Top Ten bei seinen letzten sieben Starts auf der European Tour, spielte ab der Neun sieben Birdies und schloss den Tag ebenfalls bei sechs unter Par ab. Dort, auf dem geteilten vierten Rang, liegt er unter anderem neben Kaymer und Thomas Björn (Dänemark). Lee Westwood hat nach seiner 69 am Vormittag (-3) bereits ein wenig Rückstand auf seine Spitzenkollegen aus der Weltrangliste.
Titelverteidiger Alvaro Quiros wurde wie Kaymer und McIlroy erst spät warm, erholte sich dann aber von einem Katastrophen-Start und sprang in der hinteren Hälfte der Runde noch von drei über auf zwei unter Par.