Egal, wer am Samstagabend auch gefragt wurde. Alle Beobachter in Dubai waren sich irgendwie einig. Die Favoriten für den Turniersieg bei der Omega Dubai Desert Classic? Lee Westwood natürlich, Rory McIlroy sicherlich, auch Martin Kaymer, klar. Die Experten wählten den sicheren Weg, der knifflige Wind am Sonntag würde den Großen der Szene sicherlich entgegenkommen.
Es kam anders, zumindest teilweise. McIlroy und Kaymer verabschiedeten sich mit Bogeys früh aus dem Titelrennen, in das sie als Verfolger gar nicht richtig eingegriffen hatten. Nur Lee Westwood konnte die Spitzenposition behaupten, trotz der beinahe gewohnten vielen vergebenen Birdie-Putts. Am Ende wurde es für die Nummer drei der Welt so der prognostizierte Dreikampf - jedoch mit Rafael Cabrera-Bello und Stephen Gallacher anstatt Kaymer und McIlroy, der am Ende als geteilter Fünfter nicht ganz unzufrieden sein musste.
Am Ende war es ein Birdie an der 17, das die Entscheidung brachte. Der Spanier Cabrera-Bello setzte sich damit auf 18 unter Par, Westwood und Gallacher konnten trotz guter Gelegenheiten nicht mehr kontern - der Sieg ging damit an den Mann, der sich an Tag eins mit einer 63 bereits ganz nach vorne gespielt hatte. Westwood, der an der 18 einen Chip komplett falsch einschätzte, und Gallacher teilen sich Rang zwei bei 17 unter Par.
Cabrera-Bello ist der dritte spanische Sieger im Emirates GC bei der Dubai Desert Classic in Folge nach Miguel Angel Jiménez und Alvaro Quiros. "Es sind so viele große Namen hier, da macht mich wirklich stolz", sagte der Sieger, der gut 315.000 Euro Preisgeld mitnehmen darf. "Ich habe immer versucht, mir vorzustellen, wie es in einer solchen Situation um mich steht. Ich konnte es nie. Jetzt weiß ich es. Ich bin wirklich glücklich." Cabrera-Bello, 27, hatte bei der Austrian Open 2009 seinen ersten und bislang einzigen Sieg auf der European Tour gefeiert.
Und Marcel Siem? Der hielt sich stark in der Spitzengruppe, konnte aber gegen Ende nicht mehr zum Trio aufschließen. Verzogene Drives und ein wenig Pech mit dem Putter kosteten ihn eine Top-3-Platzierung. Am Ende wurde es jedoch nach einer 71 (-1) ein sehr starker vierter Platz bei 15 unter Par, das beste Ergebnis seit dem Portugal Masters 2009 - in einem jedoch deutlich besser besetzten Feld. Die rund 95.000 Euro für Rang vier entsprechen in etwa seinem gesamten Preisgeld, das er in den vergangenen zwei Jahren bis zum Juni eingespielt hatte.
Kaymer rutscht abFür Martin Kaymer war es ein unbefriedigender Abschluss. Am Morgen hatte er noch die Hoffnung, der Wind könnte die Konkurrenz insoweit behindern, dass er die Chance habe, früh Druck auszuüben. Doch am Ende bekam der 27-Jährige selbst Probleme. Nach 13 Löchern hatte er noch theoretische Chancen, vorne anzugreifen, bei 13 unter Par lauerte er nach einem Birdie. Den nächsten Schritt konnte er aber nicht gehen. Er blieb nicht stehen, es ging sogar zurück: ein Double-Bogey an der 15, ein Bogey an der 16, das Turnier war gelaufen für Kaymer. Am Ende war es der geteilte 13. Platz (-11) nach einer 74.
Für die Nummer vier der Welt, der am Samstag auf der Runde Besuch von Oliver Kahn bekommen hatte, geht es nun in die USA. In der übernächsten Woche steht dort das erste WGC des Jahres an. Im Accenture Matchplay Championship in Arizona hatte er vor zwölf Monaten die Weltranglisten-Spitze übernommen.
