Es gibt Prognosen, die sind so schnell veraltet wie sie ausgesprochen sind. Und es gibt Vorhersagen, die stimmen so gut wie immer. Sieger-Tipps im Golf gehören in die erste Kategorie. In der zweiten Gruppe finet man die Aussage: "Der Masters-Sonntag in Augusta wird spektakulär."
Jahr für Jahr ist dieser Festtag im frühen April ein Beispiel für mitreißende Sportunterhaltung. Und dabei ist es egal, wer sich im alljährlichen Kampf als Protagonist hervortut - die Dramatik bleibt unvergleichlich. Die Ausgabe 2012 bestach in dieser Tradition wieder mit einer besonders illustren und vielfältigen Gruppe - und unglaublicher Spannung. Masters-Experte Phil Mickelson traf auf Bubba Watson, Lee Westwood, Louis Oosthuizen, Peter Hanson und Matt Kuchar. Auch Ian Poulter und Padraig Harrington hatten zwischenzeitlich Chancen auf den Major-Titel.
Die Sonne stand schon tief über der Magnolia Lane in Augusta, Georgia, als die Patrons endlich die Hände in die Luft reißen konnten für den Spieler, der an diesem Sonntag bei aller Brillanz die wenigsten Fehler gemacht hatte. Bubba Watson war es, der am zweiten Extraloch nach einem unglaublichen Rettungsschlag aus 155 Yards unter den Bäumen mit einem Par seinen ersten Major-Titel feiern konnte. Louis Oosthuizen blieb mit seiner Annäherung zu kurz und konnte nur zum Bogey lochen.
Watson, der ab der 13 vier Birdies in Folge notierte, und Oosthuizen, der sich mit einem Double-Eagle an der 2 früh an die Spitze gesetzt hatte, waren zuvor auch gemeinsam über die Schlussrunde gegangen und hatten sich einen großen Kampf geliefert. Beide kamen mit zehn unter Par vom Kurs, die Konkurrenz konnte damit nicht mithalten.
Mickelson stolperte am Ende über ein Triple-Bogey an der 4, als er am Par 3 seinen Abschlag weit nach links verzog und aus dem Gebüsch vier Schläge aufs Grün benötigte. Westwood war definitiv der beste Spieler von Tee zu Grün. Nur Putten fällt dem Engländer inzwischen so schwer wie der erste Major-Titel, auf den er schon so lange wartet. Kuchar patzte an der 16, Peter Hanson schaffte es an der 12, den Eisenschlag so vermasseln, dass es der Ball nicht einmal bis zum Wasser vor dem Grün schaffte. Alle vier teilen sich Platz drei bei acht unter Par.
Watson, der bei der PGA Championship 2010 im Stechen gegen Martin Kaymer unterlegen war, bekam das Green Jacket von Charl Schwartzel übergestreift. "Ich war heute schon einmal an dieser Stelle", sagte Watson, 33, zu seinem unglaublichen Hook aus dem Gehölz. Ihm fiel es schwer, die Emotionen zu zügeln. "In meinen Träumen habe ich nicht so weit gedacht."
Das große Duell fand nie statt"Es war eine schlechte Woche zur falschen Zeit", sagte der eine. "Ich habe es auf den ersten Neun am Samstag vermasselt", der andere. Beide, Tiger Woods und Rory McIlroy waren als große Duellanten in dieses Masters gegangen. In den USA gab es kein anderes Thema als den Kampf dieser so betitelten Golf-Giganten. Wer sollte Woods schlagen? Ja, wenn, dann McIlroy. Es kam bekanntlich anders, es gibt eben doch noch ein paar andere Golfer, die mehr können als den Ball gerade schlagen.
Woods beendete sein Turnier wenigstens mit einem Birdie. Am Ende lag er einen Schlag besser als Martin Kaymer bei fünf über Par (
hier finden Sie mehr zum Turnier des Deutschen). Ein indiskutables Ergebnis für den vierfachen Augusta-Sieger. "Ich war auf den Par 5 einfach nicht da. Und das muss man hier sein, wenn man vorne mitspielen will." McIlroy spielte am Wochenende 77 und 76 und fiel damit neben Woods auf den geteilten 40. Rang.
Für beide ist es eine Riesenenttäuschung, Woods wollte nach 2008 endlich wieder ein Major gewinnen, nie standen die Chancen besser. Diese Woche ist ein Rückschlag im Kampf des 36-Jährigen zurück an die Spitze. McIlroy wollte sein Masters-Desaster vom vergangenen Jahr endgültig vergessen machen, die Erinnerung wird nun doch noch eine Weile haften bleiben. Luke Donald, die Nummer eins der Welt, fand einen halbwegs versöhnlichen Abschluss. Mit einer 68 verbesserte er sich noch auf den 32. Rang bei drei über Par.
Doch die Ernüchterung der Geschlagenen wird bei weitem übertönt vom Jubel des Gewinners. Auch das ist in jedem Jahr die gleiche Geschichte. Das ist eine sichere Prognose.